Skip to main content

Made in Viersen: Erfolgreicher Netzwerkabend

Die elfte Veranstaltung von Made in Viersen, dem Viersener Business-Talk, brachte junge und erfahrene Unternehmer in angenehmer Atmosphäre zusammen. Bürgermeister Günter Thönnessen begrüßte die rund 120 Besucher im festlichen Ambiente des Volkswagen Zentrums Viersen der Josef Hölter GmbH & Co. KG persönlich. Im Interview berichtet einer der beratenden Teilnehmer über seine Erfahrungen aus den Begegnungen mit jungen Unternehmern.

Voneinander profitieren, Erfahrungsschätze heben, neue Impulse aufnehmen und zusammen innovative Ideen entwickeln. Mit der Aufforderung sich gegenseitig kennenzulernen und zusammen in Viersen erfolgreich zu wirtschaften brachte es Bürgermeister Günter Thönnessen in seiner Begrüßung auf den Punkt. Erfahrene und junge Unternehmer können ganz besonders gut voneinander lernen. Eine erste Gelegenheit sich besser kennenzulernen bot nun der elfte Viersener Business-Talk Made in Viersen. Die Veranstaltung der Stadt Viersen stand dieses Mal unter dem Motto „Bewährt trifft Jung und umgekehrt. Wie Erfahrungsaustausch hilft, Erfolge zu potenzieren“. Eingeladen waren Unternehmer, Selbstständige, Freiberufler, Existenzgründer oder Menschen, die mit dem Gedanken spielen ein eigenes Unternehmen zu gründen. Als Experten standen junge und berufserfahrene Experten aus drei exemplarisch gewählten Branchen drei Stunden lang an verschiedenen Infoständen als Gesprächspartner zur Verfügung. Sie konnten den anwesenden Gästen als „Berater für Viersen aus Viersen“ relevante Informationen, wertvolle Tipps und Anregungen für eigene Unternehmungen geben. Die elfte Veranstaltung von Made in Viersen fand als offene Veranstaltung im zeitlichen Rahmen der Gründerwoche Deutschland statt, an der sie sich auch thematisch orientierte.

Interview

In der Gruppe der Unternehmens- und Steuerberater befanden sich auch Vertreter des Vereines ALT HILFT JUNG NRW e.V. Die Vereinsmitglieder, jung gebliebene Pensionäre und Ruheständler, beraten kleine und Kleinstunternehmen sowie Gründer, die Unterstützung bei der geplanten Selbstständigkeit benötigen, zum Selbstkostenpreis. Die Berater geben ihr Wissen und die Erfahrung aus ihrem Berufsleben weiter, bieten Hilfe zur Selbsthilfe und begleiten Unternehmer auf den ersten Schritten in ein erfolgversprechendes Unternehmertum. Einer von ihnen ist Ullrich Spiegelhoff, der für die Inanspruchnahme einer Beratung warb.

Katja Eifler: Herr Spiegelhoff, wem helfen Sie?

Ullrich Spiegelhoff: In 80 – 90 Prozent der Fälle handelt es sich bei unseren Klienten um Menschen, welche die Arbeitslosigkeit verlassen wollen. Hier geht es in erster Linie darum, den etwas verwaschenen Vorstellungen von „Selbstständigkeit“ eine Struktur zu geben, das bedeutet beispielsweise, aus der „Geschäftsidee“ ein tatsächliches „Produkt“ zu machen. Des weiteren zeigen wir den Ratsuchenden die Grundlagen der kaufmännischen Kalkulation auf. Dies fängt mit Aufstellung der eigenen Kosten für die Lebenshaltung an und geht dann in eine Investitionsplanung über. Hieraus ergeben sich dann unter anderem Personalplanungen, Marketingpläne und vieles mehr. Es gibt aber auch ganz einfache Hilfestellungen in Form von Ratschlägen wie: Verlasse morgens um 08.00 das Haus (oder das Schlafzimmer) und gehe zur „Arbeit“. Mache einen Plan, wie viele Kunden in dieser Woche angerufen werden. Stelle einen Umsatzplan auf und analysiere die Gründe, warum er unterschritten oder auch überschritten wird.

Können Sie einige Fallen für Jungunternehmer benennen?

Für junge Gründer von Unternehmen ist die größte Falle die „Steuerfalle“. Es wird oft suggeriert, dass die ersten zwei Jahre „steuerfrei“ seien oder 400 (450) Eurokräfte den Unternehmer nur 400 (450) Euro kosten. Aber es sollte jeder wissen, dass diese Kräfte mindestens 520 Euro kosten und die Steuer auch nur 23 Monate rausgeschoben, aber dann mit aller Unerbittlichkeit der Steuerbehörde erhoben und eingetrieben wird. Die Haltung: „Das bestreiten wir aus laufenden Mitteln“ zeigt dann ganz fatale Folgen. Natürlich gehören auch „Unterlassungssünden“ dazu. Beispielsweise wird die Miete nicht mit angesetzt -, ich habe doch eine Garage oder ein Schlafzimmer hören wir da öfter – oder – Versicherungen schließen wir erst später ab, es wird schon nichts passieren. Das sind Irrtümer die Jungunternehmer schnell in die Insolvenz treiben. In hohem Maße wird auch der Kapitalbedarf ignoriert, das heißt, es gibt eine Diskrepanz zwischen den Erfordernissen des Produktes und den eigenen Finanzierungsmöglichkeiten. Hier halten es viele Existenzgründer mit dem kölschen Grundgesetz: Et hät noch immer jood gejange. Auch passende Angebote der Banken (NRW Bank, Bank für Wiederaufbau, Mezzanin-Fonds) werden wegen der daraus resultierenden Verbindlichkeit höchst ungern in Anspruch genommen.

Was können gestandene Unternehmer von Jungunternehmern lernen?

Wie man mit neuen Entwicklungen umgeht und diese für das eigene Unternehmen nutzt. Meine Frau war 42 Jahre lang Lehrerin, aber auch über 30 Jahre Fachleiterin für Gymnasiallehrer. Immer wenn ein neuer Kurs der Referendare begann, war sie total erschlagen von den neuen Ideen und Techniken, welche die fertigen Studenten von der Universität mitbrachten. Diese neuen Ideen im eigenen System anzuwenden oder diese zu implementieren war wahnsinnig anstrengend. Ein Bereich ist vor allem der Umgang mit den neuen Medien: Das Buch „Netzgemüse“, in dem Eltern ihre Erfahrungen und Reaktionen mit dem Umgang ihrer Kinder mit den neuen Medien beschreiben, ist dazu ein spannender Lesegenuss. Davon sollte sich jeder „Altunternehmer“ eine Scheibe abschneiden.

Haben Sie für uns eine kleine aber lebensnahe Erfolgsgeschichte:

Ja: Ein mittelalter, ehemals angestellter Innenausbauer bot seine Leistungen für 20 Euro pro Stunde an. Wir sind beide die gesamte Arie der Kalkulation durchgegangen und sind zu dem Ergebnis gekommen, er muss mindestens 32 Euro die Stunde berechnen: seine Reaktion hierauf: „Dann laufen mir auch noch die paar Kunden, die ich habe, weg“. Beim dritten Termin war der Klient nicht Zuhause, sondern nur über Handy zu erreichen. „Ich habe meine Arbeit mal mit 35 Euro angeboten und gleich drei Aufträge von großen Firmen bekommen. Ich weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll!“ Das Fazit daraus? Merke: Kunden sind an „gesunden Lieferanten“ interessiert, die auch in zwei bis fünf Jahren noch am Markt sind und dann weiter für sie arbeiten.

(Bilder: Stefan Effner)

Die elfte Veranstaltung von Made in Viersen, dem Viersener Business-Talk, brachte junge und erfahren Unternehmer in angenehmer Atmosphäre zusammen. Bürgermeister Günter Thönnessen begrüßte die rund 120 Besucher im festlichen Ambiente des Volkswagen Zentrums Viersen der Josef Hölter GmbH & Co. KG persönlich. Im Interview berichtet einer der beratenden Teilnehmer über seine Erfahrungen aus den Begegnungen mit jungen Unternehmern.