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Siedlung Bachstraße Viersener Siedlungsgeschichte

Viersener „Siedlungsgeschichte“: Siedlung Bachstraße

Siedlungsbau als bedeutender Teil der Viersener Stadt- und Baugeschichte

Im 20. Jahrhundert war der Siedlungsbau bedeutend für die Viersener Stadt- und Baugeschichte. Das Amt für Denkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland hat dies nun gewürdigt und insgesamt fünf Siedlungen in Alt-Viersen als denkmalwürdige Orte aufgenommen. Hierzu zählen die Siedlung Rahser, die Hammer Schanze, die Siedlung Bachstraße, die Wohnanlage Wolfskull und die Siedlung Beghinenhof.

Die Geschichte der Siedlung Bachstraße

Auf beiden Seiten der Bahntrasse an der Bachstraße im Ortsteil Hamm liegen jeweils vier Einfamilienhäuser, die zwischen 1949 und 1950 entstanden. Die Häuser wurden in der damaligen Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als „Nothäuser“ errichtet. Als Bauherrin ließ die Stadt Viersen die Siedlung auf städtischen Grundstücken errichten, um kostengünstig und vor allem schnell auf den wachsenden Wohnungsnotstand zu reagieren. Damals war man der Meinung, die Häuser würden aufgrund ihres niedrigen Preises ein Verkaufsschlager, doch dies bewahrheitete sich nicht. Die folgenden Wirtschaftswunderjahre und der damit verbundene rasant ansteigende Wohlstand erweckten bei den Viersener Einwohner:innen den Wunsch nach komfortableren Eigenheimen. Heute verschiebt sich das Bild allerdings wieder etwas, denn mit zunehmendem Trend in Richtung „Minimalismus“ und nachhaltiger Lebensweise gewinnen diese „tiny houses“ an Charme.
 
Im Jahr 1993 stellte die Stadt Viersen die Häuserreihe an der Bachstraße unter Denkmalschutz mit der Begründung, die Siedlung Bachstraße sei ein ungewöhnliches Beispiel zur Beseitigung der Wohnungsnot in der Nachkriegszeit.
 
Für Alt-Viersen ist der Siedlungsbau sehr charakteristisch, denn der Stadtteil ist, verglichen mit Süchteln und Dülken, die schon wesentlich früher einen Stadtkern mit Stadtbefestigung hatten, noch recht jung. Viersen bestand noch lange aus weit gestreuten, einzelnen Honschaften. Erst mit der beginnenden Industrialisierung im späten 19. Jahrhundert entwickelte sich Viersen zur Stadt und brachte ein damit verbundenes Bevölkerungswachstum mit erhöhtem Bedarf an Wohnraum hervor. Gemeinnützige Baugesellschaften und Baugenossenschaften schafften günstigen Wohnraum für Industriearbeiter und Angestellte. Die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg verschärfte den Wohnnotstand zunehmend, ebenso wie die folgenden geburtenstarken Jahrgänge. Die Antwort lieferte die Stadt Viersen durch den Bau von Siedlungen und Kleinwohnungen, der sich durch das ganze 20. Jahrhundert zog.

Die Häuser der Siedlung Bachstraße

Ursprünglich waren es neun Häuser an der Zahl, doch eines ist leider nicht mehr erhalten. Die übrigen acht Häuser der Siedlung Bachstraße sind in einem bemerkenswerten, fast originalen Erhaltungszustand und damit eine Seltenheit im landesweiten Vergleich.

Es handelt sich um acht Einfamilienhäuser mit extravaganten Proportionen, denn die Häuser sind auf einer Grundfläche von lediglich knapp 29 Quadratmetern errichtet. Im Verhältnis verfügen die Häuser allerdings über eine beträchtliche Höhe und wirken daher besonders schmal. Das Erdgeschoss ist über dem Keller angehoben. Zudem gibt es eine erste Etage und einen ausgebauten Dachboden. Die Wohnfläche beträgt gut 42 Quadratmeter und ist geschickt aufgeteilt. Über eine seitliche Außentreppe erreicht man den Eingangsbereich mit Diele und WC, welches auf ein Mindestmaß reduziert ist. Somit stehen den miteinander verbundenen Einheiten von Wohnraum und Küche der größte Platz zur Verfügung. Durch eine Treppe im Wohnraum ist das Obergeschoss zu erreichen, das zwei hintereinander liegende Schlafzimmer bereithält. Der Keller ist über eine Außentreppe zugänglich und verfügt über Bad und Waschküche.

Praktisch und ökonomisch ist die Konstruktion der Häuser, denn sie sind nach einem Entwurf des Dülkener Architekten Hans Rangette als Fertighäuser geplant und nach dem Prinzip des Fachwerkhauses errichtet worden. Die Verschalung erfolgte mit Leichtbauplatten und die Isolierung durch wärmehaltende Stoffe. An den Außenwänden kam ein veredelter Steinputz zum Einsatz. Auf Latten und Sparren ist das Dach mit Ziegeln gedeckt.

Entwickelt hatte diesen Haustypen Dr. Gustav Fetten von den Holz-Baustoff-Werken Dülken. Manche Viersener:innen kennen diese Häuser daher auch unter dem Namen „Fetten-Häuser“.  Nach nur knapp drei Monaten nach Baugesuch waren die neun Häuser bereits fertiggestellt. Der Preis von rund 9.000 DM entsprach sowohl der beschränkten Finanzierungskraft der Gemeinden als auch dem knappen Geldbeutel der Wohnraumsuchenden.

Die Häuser stehen auf vergleichsweise sehr großen Grundstücken, die den Bewohnern zur Selbstversorgung dienen sollten.

 

Ein Stück Siedlungsgeschichte ist der Stadt Viersen mit der Siedlung Bachstraße erhalten geblieben, das sowohl an vergangene Zeiten erinnert als auch zukünftige Trends einfängt.

 

Herzliche Wohngrüße aus Viersen

 

Ihre Daniela Mischel

 

 

Quellen: Viersen aktuell Ausgabe 01/22, S. 18-19

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